Leitbildverwandte Texte

Arnold Schönberg

Bildschirmfoto 2016-04-19 um 17.31.00Wie gerne ich durch persönliche Leitung und durch Unterricht an dieser Anstalt beitragen möchte, kann ich durch Worte nicht ausdrücken. Ich war immer ein passionierter Lehrer. Es hat mich immer gedrängt, herauszufinden, was Anfängern am besten hilft, wie man sie mit den technischen, geistigen und ethischen Erfordernissen unserer Kunst vertraut machen könnte, wie ihnen beizubringen sei, dass es eine Kunst-Moral gibt, und warum man nie aufhören darf, sie zu pflegen, jeden aber, der sie verletzt, aufs schärfste zu bekämpfen. Ich würde versucht haben, dieser Akademie eine universelle Bedeutung zu verschaffen, so dass sie geeignet ist, als Widerpart zu dienen, einer Menschheit, die sich in so mancher Hinsicht einem amoralisierenden, geschäftstüchtigen Materialismus ergibt. Einem Materialismus, hinter welchem alle ethischen Voraussetzungen unserer Kunst immer mehr verschwinden. Ein universelles Vorbild darf kein Halbwissen herausstellen. Es darf nicht Instrumentalisten erziehen, deren größte Geschicklichkeit bloße Geschicklichkeit ist, die es versteht, sich dem allgemeinen Unterhaltungsbedürfnis anzupassen. Aus einem solchen Institut müssen wahre Priester der Kunst hervorgehen, die der Kunst mit derselben Weihe entgegentreten, wie der Priester Gottes am Altar.

Arnold Schönberg, aus Emil Himmelsbach: Der Ewigkeitsimpuls in der Lebensdramatik großer Musiker, S. 205/206

 
 Paul Hindemith

paul_hindemith_usaWenn ich Musik höre, so erlebe ich mich selbst, und zwar nicht so, wie ich bin, sondern so, wie ich sein sollte. Mein Inneres weitet sich; ich ahne, was ich einst war und woher ich kam; ich fühle an mir wirken, was ich einst werden möchte.

 

 

 

 

 

 

 
Yehudi Menuhin
Zur Bedeutung des Singens

Bildschirmfoto 2016-04-19 um 17.35.40Das Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen: dann ist sie die natürlichste und einfachste Weise, in der wir ungeteilt da sind und uns ganz mitteilen können – mit all unseren Erfahrungen, Empfindungen und Hoffnungen.

Das Singen ist zuerst der innere Tanz des Atems, der Seele, aber es kann auch unsere Körper aus jeglicher Erstarrung ins Tanzen befreien und uns den Rhythmus des Lebens lehren.

Das Singen entfaltet sich in dem Maße, wie es aus dem Lauschen, dem achtsamen Hören erwächst. Singend können wir uns darin verfeinern, unsere Mitmenschen und unsere Mitwelt zu erhören.

Immer geht uns der Gesang eines Menschen unmittelbar an, wächst ein Verstehen, Teilhaben und Begreifen über alle Begriffe hinaus. Das ist meines Erachtens nur möglich, weil im Singen sich das menschliche Doppelwesen offenbart: Singen gehört fraglos zur Natur des Menschen, so dass es gleichsam keine menschliche Kultur gibt, in der nicht gesungen würde. 
In einer Zeit, in der die natürlichen und geistig-seelischen Vermögen der Menschen immer mehr zu verkümmern scheinen, so dass möglicherweise unsere Zukunft überhaupt bedroht ist, brauchen wir notwendig alle nur möglichen Quellen der Besinnung, die uns offen stehen.

Singen birgt nun unvergleichlich das noch schlummernde Potential in sich, wirklich eine Universalsprache aller Menschen werden zu können: Im Singen offenbart sich der gesamte Sinn- und Sinnenreichtum der Menschen und Völker.

Düsseldorf, den 12. Februar 1999 (verfasst als Schirmherr von Il canto del mondo)

 
Sergiu Celibidache

celibidache2»In jedem musikalischen Ton ist das, was ihm vorausgegangen, ebenso das, was aus ihm wird potenziell enthalten. In jedem Ton ist das Wesen des Ganzen vorhanden, indem man ständig, kontinuierlich Zukunft werdende Vergangenheit vergegenwärtigt… Musik ist nicht, sondern wird. Musik wird nicht etwas, sondern etwas wird Musik.«